Texte von

Tom Dehlin

22
Sep
2016
0

Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 40

Nun, da sie in den Abgrund schaute, bewunderte sie den Mut von Petra Scholze, dieser Frau, die mindestens siebzig Jahre alt war und sich nicht gescheut hatte, zwischen Gestrüpp, Betonbrocken und vorstehenden Stahlstreben den Abstieg zu wagen. Das Gefälle betrug etwa dreißig Prozent, schon als Greta vorsichtig einen Fuß darauf setzte, lösten sich kleine Steine, ihr Schuh rutschte weg. »Sie sollten oben bleiben und aufpassen«, sagte Tieber, der neben ihr stand und ebenfalls spektisch in die Tiefe schaute, zehn Meter mochten es sein. An der gegenüberliegenden Wand, die fast senkrecht nach unten stürzte, sahen sie einen engen schwarzen Spalt, einen...
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9
Sep
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 39

Nun, da sie in den Abgrund schaute, bewunderte sie den Mut von Petra Scholze, dieser Frau, die mindestens siebzig Jahre alt war und sich nicht gescheut hatte, zwischen Gestrüpp, Betonbrocken und vorstehenden Stahlstreben den Abstieg zu wagen. Das Gefälle betrug etwa dreißig Prozent, schon als Greta vorsichtig einen Fuß darauf setzte, lösten sich kleine Steine, ihr Schuh rutschte weg. »Sie sollten oben bleiben und aufpassen«, sagte Tieber, der neben ihr stand und ebenfalls spektisch in die Tiefe schaute, zehn Meter mochten es sein. An der gegenüberliegenden Wand, die fast senkrecht nach unten stürzte, sahen sie einen engen schwarzen Spalt, einen...
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7
Sep
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 38

Sie erwischte Tiebe noch, als er, die Tasche mit dem Teleskop in der Hand, sein Grundstück verließ. Das Taxi, mit dem sie gekommen war, wendete umständlich und verschwand. »Taxi?«, fragte Tieber und gab sich die Antwort selbst. »Ach so, verstehe. Vorsichtsmaßnahme.« »Und Sie so?« Sie schielte auf die Tasche. »Nicht ein bisschen hell fürs Universum?« Er zwinkerte ihr zu und lief den Weg zum Dorf entlang, Greta folgte ihm. »Fürs Universum sicherlich, aber nicht für die Gegend mit den Bunkern. Ich hab mir überlegt, mich oben auf dem Hügel zu postieren und die Gegend im Auge zu behalten. Irgendetwas muss...
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4
Sep
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 37

Kölner Allee. Früher die Geschäftsstraße der Stadt, heute zu weit weg von der Fußgängerzone, ein Umstand, der auch dem Kiki den Garaus gemacht haben dürfte, neben allem anderen. Greta war zwanzig Minuten zu Fuß unterwegs gewesen, vor einer weiteren Fahrt mit dem Bus graute ihr, sie wich aus, wenn ihr Männer entgegenkamen, wich ihren Blicken aus. Nachdem sie Natalie verlassen und sich auf den Weg in die Innenstadt gemacht hatte, war ihr ein Gedanke gekommen. Auf ihrem Handy war die Telefonnummer einer ehemaligen Mitschülerin Gabriele Zahrendts gespeichert, sie rief die Frau an und fragte, ob sie ein Klassenfoto besitze, inklusive...
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1
Sep
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 36

Immer noch das markante, strenge Gesicht mit den kurzen, nach hinten gekämmten Haaren, den zu roten Lippen und dem taxierenden Blick. Dieser verdüsterte sich, als er Gretas Gesicht musterte. »Hast ne Menge Schminke gebraucht, wie ich sehe. Komm rein und erzähl.« Greta nickte. Dieser Frau konnte man nichts vormachen, es gab nichts, das sie nicht schon erlebt hätte. »Kaffee? Wasser? Was Stärkeres? Setz dich doch.« »Einen Schnaps, wenn du einen hast«, antwortete Greta und setzte sich auf die Couch. Alles hier war gediegen, schwere, teure Möbel. Nichts deutete darauf hin, in welchen Umgebungen Nathalie ihr Geld verdiente, nirgendwo hingen Peitschen...
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30
Aug
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 35

Inzwischen war es Mittag geworden. Der Himmel hatte am Morgen zu viel versprochen, Grau in allen Nuancen wölbte sich als düsteres Gemisch über die Stadt, noch regnete es nicht. Greta wagte nicht, etwas zu essen. Noch einmal betrachtete sie sich das Foto, Linda Ludwig, die Hübsche in dem kurzen Kleid, käme vom Alter her infrage … nein, unwahrscheinlich. Gabriele Zahrendt hätte es sich nicht erlauben können, einer Pressekamera ins Objektiv zu lächeln. Ein Bild von ihr wäre gut, doch es gab keines. Wieso war sie überhaupt hier, in ihrer Heimatstadt gewesen? Dass sie hier dauerhaft lebte, hielt Greta für ausgeschlossen....
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28
Aug
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 34

Entweder spielte Tiebers Badezimmerspiegel ein fieses Spielchen mit ihr oder sie sah heute Morgen wirklich so grausig aus. Die Blessuren im Gesicht und am restlichen Körper waren aufgeblüht, es schimmerte in allen Farben, Schwellungen an Armen und Beinen, dazu die Brandwunde am Oberschenkel, um die sich ein purpurroter Hof gebildet hatte. Sie würde einige Zeit damit verbringen müssen, wenigstens ihr Gesicht wieder hoffähig zu machen. Aber diese äußeren Verletzungen gaben allenfalls einen Vorgeschmack auf die Pein, die in Greta Geschke tobte. Schon beim Aufstehen dieser Brechreiz, Nebenwirkung der Pille danach, wie es Anja vorausgesagt hatte. Dann die Bilder, die ihr...
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26
Aug
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 33

Am Anfang war das Atom Unterwegs kaufte sie zwei große Döner, den Umweg zum Chinesen wollte sie nicht auf sich nehmen. Tiebers Hütte lag im Dunkeln, Greta klopfte, nichts regte sich. Ungewöhnlich. Sie blickte hoch in den Himmel, er war klar und sternenreich. Zurück ins Auto, durch das Dorf , zum Hügel. Sie stellte den Wagen ab und sah den Weg hoch. Es erschien ihr wie eine Entweihung, bis ganz nach oben zu fahren, alles an ihr schmerzte, aber sie würde den Anstieg schaffen. Die Luft fühlte sich so klar an, reinigender noch als die Hektoliter heißes Wasser, die ihr...
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22
Aug
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 32

»Nein.« Mehr hatte sie nicht gesagt, als ihr Anja vorschlug, die Polizei zu rufen. »Okay.« Das liebte sie so an ihr. Sie nahm einen ernst und akzeptierte ein klares Nein. Obwohl sie es nicht verstand, wie man ihr ansehen konnte. »Wenn du Pech hast, geht es dir in den nächsten Tagen beschissen«, sagte sie und reichte Greta die Tablette. »Du wirst lachen, das geht es mir auch so schon.« »Falls ich dir helfen kann …« »Nein«, antwortete Greta. »Lieb gemeint. Ich erzähl dir später alles. Und ich werde drüber wegkommen, das verspreche ich dir. Diesen Triumph gönne ich den Schweinen...
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20
Aug
2016
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Tom Dehlin: Blutplanet (Thriller) – 31

Duschen. Duschen. Duschen. Sie sagte sich das Wort in Gedanken vor, wie ein Mantra, das sie in das Nirwana des Vergessens führen sollte. Sie hörte das Rauschen des gnädigen Wassers um ihren Körper stürzte, alles abwusch. Die Ereignisse der letzten Stunde, viel mehr noch, den Glauben an die Humanität, das Mitleid, das letzte Stückchen Hoffnung, jemals wieder ein glücklicher Mensch zu sein. Man hatte sie schließlich losgebunden, hochgerissen, sie aufgefordert, sich anzuziehen. Raus aus dem Keller, ihre Beine schafften das Unmögliche, trugen sie schwankend nach oben. Ihr Wagen stand vor dem Haus, als sei nichts geschehen. Der Schweigsame öffnete den...
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