Texte von

Matthias Matting

16
Sep
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 39

Liebe Mitleserinnen und Mitleser, Leider müssen Elli und Daniela eine Pause einlegen. Es hat sich für mich eine interessante Perspektive ergeben: ich darf zusätzlich ein Geschichts-Reise-Magazin mitgestalten. Dadurch fehlt zumindest für zwei Monate die Zeit für den Roman. Aber die Pause wird begrenzt sein, das verspreche ich. Ich danke für Geduld und Verständnis! Ihr Matthias Matting  
26
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 38

„Und das erkennst du woran?“ Daniela sah sich um. Es gab nichts, wirklich gar nichts, das verriet, wie die Bewohner diesen Raum genutzt hatten. „Ich… kann mich erinnern.“ Igor zog die Augenbrauen hoch. „Wie alt warst du, als du zum letzten Mal hier warst?“ Daniela entzog sich einer Antwort, indem sie in den Flur ging. Hier hatte Elli mit der Suchmannschaft gesprochen. Sie erinnerte sich, als wäre es gestern gewesen. Es war gestern gewesen, gestern nacht. Sie glaubte, sogar den Geruch des chlorhaltigen Scheuermitteln auszumachen. „Riechst du das?“ Igor nickte. „Ist das Chlor? Seltsam. Wer weiß, was die Dorfjugend hier...
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24
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 37

Eine dunkelgraue Wolke schob sich vor die Sonne, noch bevor sie den Wald erreicht hatten. Es musste nach elf sein, aber Mittag war es noch nicht, weil die Kirchturmglocken noch nicht geläutet hatten. Igor hatte einen ordentlichen Schritt vorgelegt, Er schien ihr so in Gedanken versunken, dass sie ihn nicht mehr angesprochen hatte, Es machte ihr aber nichts aus, schweigend neben ihm zu gehen. Im Wald änderte sich die Stimmung, Daniela schob es zunächst auf die zunehmende Bewölkung; es würde Regen geben. Der Wind frischte auf. Hoch über ihren Köpfen steckten die Kiefern ihre Kronen zusammen, als würden sie sich...
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22
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 36

Die Standuhr im Wohnzimmer hatte gerade neun geschlagen, als es laut an der Tür klopfte. „Aufmachen!“ Elli legte den Lappen beiseite, mit dem sie gerade den Herd putzte. Ihr Vater war ins Dorf gegangen, um Essen zu besorgen. Er hatte Recht gehabt. Elli ging, ohne sich zu beeilen, in Richtung Haustür. Überall roch es so sauber wie lange nicht mehr. Der Chorgeruch stieg ihr in die Nase, bis sie niesen musste. Wie als Echo klopfte es erneut, diesmal heftiger. „Aufmachen. Polizei!“ Die Stimme hatten keinen Akzent. Das konnten nicht die Russen sein, jedenfalls nicht allein. „Ist jemand da? Wir brechen...
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19
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 35

Am nächsten Morgen klopfte es kurz vor neun am Küchenfenster. Daniela saß beim Frühstück und zerbröckelte ein altes, aber noch nicht ganz hartes Stück Brot. Die Großmutter hatte ihr eine Milchsuppe gekocht, „wie früher“. Daniela winkte nach draußen, und Igor kam durch den Flur in die Küche. Ihre Oma kannte den Sohn des Wirts und begrüßte ihn mit seinem Namen. Daniela gab ihm die Hand, ohne aufzustehen. Igor hatte einen festen und warmen Händedruck. Danach nahm er ihr gegenüber Platz, und die Großmutter stellte eine große Tasse Kaffee vor ihn auf den Tisch, schwarz, wie er ihn haben wollte. „Na...
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17
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 34

„Nein, Vater, wir werden eine Lösung finden.“ „Es tut mir leid, aber daran glaube ich nicht. Psst.“ Anscheinend spürte er einen Einfall nahen. Das war eine seltsame Marotte ihres Vaters. Man musste dann leise sein, er starrte in die Luft, als ringe er um den Gedanken, und meist konnte er dann wirklich irgendeine Art von Lösung präsentieren. „Erinnerst du dich an den alten Unterstand, in der Kuhle beim Meierschen Wald?“ Elli nickte. Die Jugend des Dorfes traf sich dort manchmal, wenn einer eine Flasche Korn besorgen konnte. Ein Überbleibsel des Krieges, es hieß, dass dort ein paar deutsche Soldaten den...
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15
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 33

Kurz nach sechs hörte Elli aus dem Schlafzimmer das Rasseln des uralten Weckers. Sie erhob sich, der Soldat stand ebenfalls auf. Elli bedeutete ihm, sich wieder zu setzen. Dann verließ sie die Küche und ging ins Schlafzimmer. Ihr Vater hatte sich gerade hingesetzt, sein linker Fuß suchte unter dem Bett nach einem geflüchteten Pantoffel. „Oh, heute Frühaufsteher? Aber warum bist du noch nicht angezogen?“ Elli warf einen Blick nach unten. Sie trug noch immer den Morgenmantel über ihrem Nachthemd. Als sie ihre nackten Füße auf den Dielen sah, lief ein Frösteln über ihren Rücken. „Es gibt ein kleines … Problem“,...
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12
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 32

Sie entschied, die Frage zu vergessen. Ihr Herz schlug schneller, als sie das Dorf durchquerte. Hier kannte sie wirklich jedes Haus. Die meisten Gebäude sahen aus wie damals, hatten ein paar Falten dazu bekommen, der Putz bröckelte. Die alte Schule stand leer, die Tür war zugenagelt und bei zwei Fenstern hatte jemand die Scheibe eingeworfen. Um die kleine Kirche herum befand sich ein Bauzaun. Das Wartehäuschen an der Bushaltestelle sah aus, als käme es aus einer anderen Welt. Glänzender Stahl und Plexiglas. Neben der Sitzbank wuchsen Butterblumen. Direkt hinter der Haltestelle befand sich die Dorfkneipe. Der Wirt hatte angefangen, die...
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10
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 31

Der Zug erreichte Winda am späten Nachmittag. Der Bahnhof hatte sich kein bisschen verändert. Ohne den Kiefern-Wald, der gleich dahinter begann, hätte er Schauplatz eines Cowboy-Duells im Wilden Westen sein können. Das Gleis, auf dem der Zug gemütlich weiter in Richtung Süden fuhr, verlief wie mit dem Lineal gezogen durch die trockene Landschaft. Der Bahnsteig war mit uralten Platten gepflastert, die alle komplett zerbrochen waren. Auf dem Ausweichgleis, ohne das Winda vom Bahnhof zum Haltepunkt degradiert worden wäre, wuchs hohes Gras. Die Strecke in die Hauptstadt wurde nicht von vielen Zügen befahren. Es war zu weit zum täglichen Pendeln, und...
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8
Aug
2016
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Matthias Matting: Die Frau, die zu viel träumte – 30

Nach einer halben Stunde fiel Elli ein, dass sie eine sehr unhöfliche Gastgeberin war. Sie hatte dem Soldaten noch nicht einmal ein Glas Wasser angeboten. Elli stand auf, holte ein Glas und füllte es mit Wasser aus dem Hahn. Dann holte sie das Brot aus der Speisekammer. „Chljeb?“ Der Soldat nickte. Sie wollte ihm mit dem Brotmesser eine Scheibe abschneiden, doch er schüttelte den Kopf. Schnell zog er ein Taschenmesser aus der Hosentasche und säbelte mit großem Geschick ein Stück ab. Die Schnittstelle war glatter, als Elli sie mit dem großen Messer je hinbekommen hätte. Er lächelte, als er sah,...
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