Texte von

Brida Anderson

26
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -32 (Das Finale)

ZWEI­UND­DREISSIG Die Schwerkraft setzte von einem Moment auf den anderen abrupt wieder ein. Ich knallte auf die Füße und verlor prompt das Gleichgewicht. Als ich vornüber fiel und meinen Fall mit den Händen abzufangen versuchte, berührte ich nasses Gras. Es fühlte sich steif von Frost an. Gleißendes Licht erleuchtete jeden Kieselstein und jeden Grashalm unter mir bis in die kleinste Pore. Die Kälte in der Luft war schneidend. Oh Gott, die Teleportation war schief gegangen! Ich war in irgendeiner fremden Welt gelandet, wo das Licht mir in den Augen brannte. »Kankalin?« Ich setzte mich auf und tastete mir mit beiden...
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26
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -31

EIN­UND­DREISSIG Dyg wanderte durch die Lichtung wie ein müder Geist. Seine bloßen Füße waren staubig und bluteten und er setzte sie sorgsam zwischen die gefallenen Feen. Er schwankte, während er sang, und konnte sich kaum auf den Beinen halten. »Aleun, echente.« Verstreut euch, heilt. Dyg wiederholte die elbischen Kommandos immer wieder in einem Singsang. Gänsehaut kroch mir die Arme hinauf. Der Zauber war schwarze Magie gewesen und Dyg verbannte die Fetzen, die vielleicht noch in der Lichtung und an den Überlebenden hingen. Der Ring war zerstört. Würden wir jetzt alle von den Dornenkriegern über den Haufen gerannt werden? Oder würde...
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25
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -30

DREISSIG Der Druck fiel, meine Ohren öffneten sich und Geräusche drangen zu mir durch. Schmerzensschreie, lautes Fluchen, Weinen. »Die Heckenbestien sind geflohen«, sagte Mattis. Er klang erleichtert. Er gab mich frei. Ich wandte schnell den Kopf ab, um seine von Stacheln entstellte Visage nicht länger ansehen zu müssen. »Sie sind nicht geflohen«, sagte ich düster. »Sie haben ihren Befehl bekommen und sind heim zu Papa gegangen.« Mattis starrte mir verblüfft ins Gesicht. »Wie meinst du das? Was für ein Befehl?« Also hatte außer mir niemand etwas gehört. Fuck. Ich konnte tatsächlich mit den Dornen kommunizieren. Ich schüttelte den Kopf. »Später.«...
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25
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -29

NEUN­UND­ZWANZIG Ich rannte zu Acionna, wie Mattis es mir aufgetragen hatte, aber ich musste mich beherrschen, um nicht hysterisch zu kichern. Wie sollte ich mächtige Wesen erwecken, die nur die vereinte Magie von ein Dutzend Elben und zwei mächtigen Zauberern zusammen in Tiefschlaf versetzt hatte? Wie sagt man noch: Nur wer alles aufs Spiel setzt, kann auch groß gewinnen? Ich erreichte Acionna. Dass ihre natürliche Gestalt ein riesengroßer Delfin war, war echt gewöhnungsbedürftig. In der Hoffnung, dass mir schon etwas einfallen würde, kniete ich mich neben den massigen Körper und legte beide Hände auf ihre glitschige Haut. Magie perlte in mir...
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24
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -28

ACHT­UND­ZWANZIG Der Heckenkrieger drehte langsam den Kopf von einer Seite zur anderen. Er schien unsicher, ob er angreifen sollte. Oder vielleicht überlegte er, wen von uns er zuerst angreifen sollte. Ein dumpfer Aufprall ließ die Lichtung erzittern, als ein weiterer grüner Krieger aus der Hecke sprang und links vom ersten landeten. Ein weiterer Heckenkrieger landete auf der rechten Seite des ersten. Rote Augen blitzten auch bei ihnen. Ihre Gesichter waren zu Haut und Knochen abgemagert. Nur ein kleiner Vorsprung und langgezogene Nasenlöcher waren noch von ihrer Nase übrig. Ihre Münder waren zu breit, die Lippen zu dünn und hatten die...
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24
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -27

SIEBEN­UND­ZWANZIG Eine süße Flüssigkeit benetzte meine Lippen und ergoss sich dann im Strahl in meinen Mund. Ich musste schlucken, wenn ich nicht daran ersticken wollte. Es schmeckte nach Limetten und Sonnenschein und holte mich aus meiner Betäubung. Vage nahm ich wahr, dass ich auf etwas Warmem saß. Dann sank ich wieder in die Bewusstlosigkeit. Als ich das nächste Mal zu mir kam, Stunden später, wachte ich vollständig auf. Wach zu sein, bedeutete, dass mir wieder einfiel, was passiert war. Mein Herz zerbrach beim Gedanken daran. Tereth’ Handlanger hatten Mattis getötet! Warum war ich noch am Leben? Ich versuchte, meine Wunde...
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23
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -26

SECHS­UND­ZWANZIG Als das wilde Geheul verklang, schrie Kankalin los und zog ihr Schwert. »Welche Jagd?«, fragte ich. »Die Wilde Jagd?« Frost nickte. »Wie sehen die in Wirklichkeit aus, bei euch?«, fragte ich atemlos nach. »Neun kopflose Reiter? Eine Truppe Elbenkrieger?« Frost legte einen Finger auf meine Lippen und schüttelte den Kopf. Mattis wandte sich zu mir. »Verstau Rowans Messer in deiner Kleidung«, flüsterte er heiser. Ich zögerte, mir das große Messer in die Hose zu stopfen, selbst wenn es in der Scheide verstaut war, aber sobald die Scheide meinen Mantel berührte, schrumpfte das Messer winzig zusammen. Der Umhang hatte kleine...
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23
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -25

FÜNF­UND­ZWANZIG Dutzende von Talanias Wachen und der Rest von Tereth’ Sturmtänzern hielten schnurstracks auf uns zu aus allen Ecken des Thronsaals. Die Energien im Raum erzitterten. In völliger Stille schimmerte vor dem Thron die albtraumhafte Figur mit der Dornenkrone auf. Der Dornenkönig war viel größer als das letzte Mal. Und er war viel weniger durchscheinend! Das konnte nichts Gutes bedeuten. Die Elben schrien vor Furcht, als sie die Erscheinung bemerkten. Talania sprang auf von ihrem Thron. Die Wachen der Königin und die Sturmtänzer hatten Frost und mich schon fast erreicht. Jetzt hielten sie inne, unsicher, ob sie Talanias Befehl ausfüllen...
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23
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -24

VIER­UND­ZWANZIG Tereth ließ mich erst los, als wir die Türen des Thronsaals erreichten. Er deutete mir, ich sollte als erste hindurchgehen. Na gut, das kannte ich ja schon. Ich war froh, dass Dyg mich auf demselben Weg zur Party geführt hatte, denn so konnte ich jetzt ganz locker tun, während die Bougainville sich erneut um meine Arme schlängelten. Dieses Mal wanden sich die frischen Triebe begeistert um meine Hände wie Welpen, die gestreichelt werden wollen. »Ick«, flüsterte ich. Ich mochte sich windendes Grünzeug mit Dornen nicht, auch wenn es mich nicht kratzte. »Nächstes Mal macht einer von euch die Tür...
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22
Aug
2016
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Brida Anderson: Feenreich -23

DREI­UND­ZWANZIG Tereth war nicht allein ins Badehaus gekommen. Seine sieben Wachen flankierten ihn. Die Sturmtänzer sahen aus wie eine Wand aus schwarzen Rüstungen und Waffen. Sie hatten sogar ihre unheimlichen schwarzen Helme aufgesetzt. Ihr martialischer Aufzug wirkte besonders einschüchternd in der freundlichen Atmosphäre des Badehauses. Mann, wir hatten Karten mit einigen von diesen Typen gespielt — und jetzt verrieten ihre Augen noch nicht einmal, das sie uns kannten! Als die Sturmtänzer uns in einem Kreis umstellten, ließen Mattis und ich einander los und stellten uns Rücken an Rücken. Ich kreuzte die Arme vor meinem nackten Busen. Meine Scham zu bedecken...
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